Film versus Realität

Wir hassen es, wenn uns Schauspieler versuchen, falsche Gefühle zu vermitteln – ist es nicht so?

Die Menschheit mag nichts mehr, als Filme, in denen es um ein reales Leben geht. Sie weinen mit den Protagonisten, lachen mit ihnen, und schimpfen mit ihnen über all den Mist, der einem während dem Spiel des Lebens begegnet.
Doch nun frage ich, was ist mit euren Mitmenschen? Was ist mit den Menschen vor eurer Nase, denen all der Mist, den ihr nur aus dem Film kennt, wirklich widerfährt? Warum fühlt ihr nicht mit diesen? Mit den echten Menschen. Ihr wollt echtes Leben sehen, doch schließt ihr die Augen vor der Realität!

Da tischt uns einer, der sich Regisseur nennt, ein zum bitterlichen Weinen verleitendes Drama der modernen Schauspielkunst auf und bekommt dafür einen Oscar.
Anderen Ortes erlebt ein armer, erbärmlicher Mensch das, um was es in eben genannten Drama geht, real. Was bekommt jener Mensch? Nichts – außer vielleicht einen Tritt in die Magengrube (ob nun wirklich oder sinnbildlich – eventuell beim Anschauen jenen Dramas – lassen wir nun einmal außer Acht).

Voll Rührung sitzen wir vor dem Flimmerkasten, schnäuzen uns in ein rosa Taschentuch und heulen wie ein nasser Schwamm. Bewundern die Realitätsnähe eines Filmes und fragen uns, ob irgendwo dort draußen ein armes Wesen sitzt, dem es auch so schlecht ergeht. Gleichzeitig bemerken wir aber nicht, dass nebenan genau jenes Wesen, über das wir nachdenken, sitzen könnte.

Dass Menschen heuer gerne vor der Realität flüchten ist allgemein bekannt, doch welchen Sinn und welche Logik trägt es in sich, von der realen Realität in eine nur vermeintlich fiktive Realität zu flüchten? Hier und dort geschehen die selben Dinge. Hier näher, dort ferner – ist es das? Heißt es deshalb FERNSEHEN?

Doch – ich gebe es ganz frei zu – das Zerreden dieses Themas über die eine oder die andere Realität, einhergehend mit der Dummheit des Homo Sapiens, wobei zu erwähnen wäre, dass unser Vorfahr, beispielsweise der Neandertaler, sicherlich noch nicht so beschränkt war, einer totalen Sinnfreiheit unterliegt, weswegen ich dem hiermit ein Ende setze.