Dieses kleine Geschichtchen habe ich mit xXPlaceboXx im Internet zusammen gebastelt^^

Die Ente namens Lente

Es war einmal eine Ente, und diese Ente, die hieß Lente.
Eines Tages bekam Lente Zahnweh, obwohl Enten eigentlich gar keine Zähne hatten. Aufgrund dieser Behinderung wurde Lente am Fischteich in Entingen immer gehänselt. Ganz zu Unrecht, wie Lente dachte, denn sie fand, ihre Zähne, die ja sonst keine Ente hatte, und schon gar nicht eine, die auch noch den wundervollen Namen Lente trug, waren wohlwahr eine Besonderheit und sahen in Ente Lentes Augen aus wie Sterne - so gelb funkelnd, so fern von einander und noch auffälliger auf dem schwarzen Möchtegern-Zahnfleisch-Hintergrund.
Manche der andern Enten bewunderten Lente, da diese immer die wunderbarsten Dinge essen konnte, wohingegen sich die anderen Enten mit Seetang oder ähnlichem zufrieden geben mussten. Lente verspeiste Schokoladenreste der Menschen, die auf der Wiese lagen, klebrige Kaugummis und alles was sich finden lies.
Doch gerade, dass Lente etwas konnte, was die anderen Enten nicht konnten, machte diese neidisch, sodass sie Lente immer hänselten. So hatte Lente nur einen einzigen Freund in Entingen, der hieß Rüder, der von den anderen Enten ebenfalls verstoßen wurde. Nicht etwa wegen seines bescheuerten Namens, sondern weil er – wie Lente – etwas hatte, was die anderen Enten nicht hatten: Augenbrauen.
Diese Augenbrauen waren eigentlich etwas ganz tolles, da sie seine Augen vor Schmutz, Sonne, Regen, Schnee und anderen Dingen, die so auf Enten, die Rüdiger hießen, herabfiel schützte.
Doch diese Augenbrauen und die Zähne Lentes sorgten unter den anderen Enten für Missgunst und Neid. So wurden Rüdi & Lente verstoßen.
Und nun befanden sie sich mitten im dunkeln bösen Wald, auf dem Weg zu einem Zahnarzt, weil Lente ja noch immer unter Zahnschmerzen litt, was im Laufe dieses Märchens leider kurz in Vergessenheit geraten war.
Also waren nun Lente und ihr gefiederter Freund auf dem Weg, wo sie an einem türkischen Frisörladen vorbei kamen, auf dem ein Plakat zu sehen war: ANGEBOT: ENTHAARUNG (BIKINIZONE,AUGENBRAUEN,BEINE....)
Rüdiger glotze auf dieses Plakat, sichtlich in Versuchung geführt, sich die Augenbrauen entfernen zu lassen und so zurück in die Gunst der anderen Enten zu treten, selbst auf die Gefahr hin, dass er damit Lente im Stich ließ. Rüdiger dachte sich, dass er dann endlich ganz viele Entenfreunde haben und hoch angesehen sein würde. Lente war doch eh nur hässlich.
„Rüdi, du wirst dir doch nicht etwa die Augenbrauen entfernen lassen wollen?“, fragte Lente ängstlich. „Aber nein, wo denkst du hin, niemals!“, log er, doch Lente konnte die große Lüge, aufgrund Rüdigers Augenbrauen, nicht in seinen Augen sehen.
Lente watschelte beruhigt über die Straße, wo auch schon der Zahnarzt Herr Dr. Müller war, doch Rüdiger blieb wie angewurzelt vor dem Salon stehen, im Bann des Schildes, das seine Erlösung prophezeite.
Langsam und bedacht begab er sich in den Friseursalon, ohne dass Lente, der inzwischen in der Praxis verschwunden war, etwas davon mitbekam. Und so blickte sich Rüdiger noch einmal um und verschwand in dem großen Haus, um sich von seinem Leiden, den buschigsten Augenbrauen von Entingen, befreien zu lassen. Währenddessen watschelte Lente fröhlich mit einem Tuch um den Kopf, um ihrem Zahn zu schützen über die Straße, übersah dabei aber einen großen Reisebus mit 112 Passagieren und 120 Sachen auf sie zu rasen.
Es gab ein Ekel erregendes Geräusch, Federn flogen, Gedärme wirbelten und Blut spritze. Lente, die Ente, war tot.
Aber als ob das nicht genug wäre, kam noch ein LKW, beladen mit schlachtreifen Jung-Hühnern der Lebensmittelkette KFC angerast und überfuhr Lente ein weiteres mal. Reifenspuren verzierten nun Lentes leblosen Körper, der nun am noch warmen Asphalt des schwülen Sommertages klebte und nicht mehr zu beseitigen schien. Nur noch ein Stück ihres Augapfels, das auf den Gehweg flog, erinnerte an das drei-dimensionale, gefiederte Tier in seiner alten Gestalt.
Niemand kümmerte sich um das zerquetschte Federviech und es dauerte nicht lange, bis Rüdiger in seiner absoluten Schönheit und ohne Augenbrauen aus dem gegenüberliegenden Laden trat. Er sah den Augapfel auf den Boden liegen und wusste sofort, dass es sich bei diesem Ding um Lente handelte. Ein lauter Schrei war in ganz Entingen zu vernehmen, Klagelaut wehte über die Straßen und durch den Wald. Rüdiger rannte, große Ententränen weinend auf die Straße zu seinem toten Entenfreund.
Doch der Teufel trieb sein Spiel, und so übersah auch Rüdiger in seiner Trauer den herbeifahrenden Kleinbus eines chinesischen Entenverkäufers, der gerade eine Ladung ententoter Enten in ein Restaurant brachte. Das Schicksal war an diesem tage ironisch, und so wurde auch Rüdiger Opfer schneller, dreckiger Reifen.
Und die Moral der Geschicht: Iss immer deinen Teller leer und benutze nie parfumhaltige Handcreme bei rauen Händen.
Ach ja, und wenn sie nicht gestorben wären, würden sie heute noch leben.

Ende